Erstellt nach unseren redaktionellen Grundsätzen.
Gezielte Berichtigung am 11. Oktober 2026: Anträge nach §21 und §24, Vier-Kinder-Beispiel, Anspruchsgrenzen und Beginn des Schwangerschaftsmehrbedarfs. Keine erneute Vollprüfung aller Angaben.
Zuletzt anhand der amtlichen Quellen geprüft: 29. August 2026
Der Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts umfasst Mehrbedarfe nach § 21; ein gesonderter Antrag ist dafür nicht erforderlich. Schwangerschaft oder Alleinerziehung mitteilen und erforderliche Nachweise vorlegen. Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt nach § 24 Abs. 3 ist gemäß § 37 Abs. 1 gesondert zu beantragen. Auch ohne laufende Leistungen kann ein Anspruch bestehen, wenn die Voraussetzungen vorliegen und der konkrete Bedarf nicht vollständig aus eigenen Mitteln gedeckt werden kann.
Sätze und Zeitpunkte
- Schwangerschaft
- 17 % des Regelbedarfs — nach der zwölften Woche bis zum Ende des Entbindungsmonats.
- Alleinerziehung — erste Variante
- 36 % bei einem Kind unter sieben oder bei zwei oder drei Kindern unter sechzehn.
- Alleinerziehung — zweite Variante
- 12 % je Kind, wenn sich dadurch ein höherer Satz ergibt — höchstens 60 %.
- Voraussetzung
- Zusammenleben mit minderjährigen Kindern und alleinige Sorge für Pflege und Erziehung.
- Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt
- Nicht vom Regelbedarf umfasst — wird gesondert erbracht, nicht als Darlehen.
- Obergrenze
- Die Summe der Mehrbedarfe nach den Absätzen 2 bis 5 übersteigt den Regelbedarf nicht.
Welche Variante gilt? Beide rechnen
Das Gesetz lässt keine Wahl, sondern gewährt den höheren Satz: 12 % je Kind gelten, «wenn sich dadurch ein höherer Prozentsatz» als 36 % ergibt.
- Ein Kind, fünf Jahre ⇒ 36 % gegen 12 % ⇒ 36 %.
- Drei Kinder (12, 9, 6) ⇒ 36 % gegen 36 % ⇒ 36 %.
- Vier minderjährige Kinder im Haushalt bei alleiniger Pflege und Erziehung ⇒ 12 % je Kind ergeben 48 %. Ein Kind unter sieben kann zugleich die 36 %-Voraussetzung erfüllen; 48 % sind jedoch höher und anzuerkennen.
- Sechs minderjährige Kinder ⇒ 72 %, gedeckelt auf 60 %.
Entscheidend ist nicht die Kinderzahl, sondern das alleinige Sorgen für Pflege und Erziehung.
Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt: Zuschuss statt Darlehen
§ 24 nennt drei Bedarfe, die nicht vom Regelbedarf umfasst sind — darunter ausdrücklich «Erstausstattungen für Bekleidung und Erstausstattungen bei Schwangerschaft und Geburt». Leistungen dafür werden gesondert erbracht.
Der Unterschied zum Darlehen nach § 24 Abs. 1 ist entscheidend: Was der Regelbedarf abdeckt, wird als Darlehen gewährt und zurückgefordert — die Erstausstattung nicht.
Und weiter: Diese Leistungen werden auch erbracht, wenn keine Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts benötigt werden, der Bedarf aber nicht aus eigenen Kräften und Mitteln gedeckt werden kann. Dabei kann Einkommen der folgenden sechs Monate berücksichtigt werden. Die Leistung kann als Sach- oder Geldleistung, auch als Pauschalbetrag, erfolgen.
Die Obergrenze genau lesen
Die Summe der Mehrbedarfe nach den Absätzen 2 bis 5 darf den Regelbedarf nicht übersteigen — das sind Schwangerschaft, Alleinerziehung, Behinderung und kostenaufwändige Ernährung. Außerhalb der Grenze stehen:
- der unabweisbare besondere Bedarf (Absatz 6),
- Schulbücher (Absatz 6a),
- dezentrale Warmwassererzeugung (Absatz 7).
Eine schwangere alleinerziehende Person erreicht mit 17 % und 36 % zusammen 53 % — und kann Schulbücher und Warmwasser darüber hinaus geltend machen.
Was wann zu beantragen ist
- Die Schwangerschaft nach der zwölften Woche meldenDer Mehrbedarf beginnt danach und läuft bis zum Ende des Entbindungsmonats.
- Beide Varianten rechnen36 % gegen 12 % je Kind, höchstens 60 % — maßgeblich ist der höhere Satz.
- Erstausstattung gesondert beantragenSie ist nicht Teil des laufenden Bescheids.
- Auch ohne laufenden Leistungsbezug beantragenDas Gesetz sieht dies ausdrücklich vor.
- Nicht als Darlehen akzeptierenDie Erstausstattung wird gesondert erbracht.
- Die Obergrenze prüfenSie gilt nur für die Absätze 2 bis 5.
⚠️ «Gesondert» ist nicht «als Darlehen»: § 24 Abs. 1 betrifft Bedarfe, die der Regelbedarf umfasst. Erstausstattungen sind davon nicht umfasst und werden gesondert erbracht.
Amtliche Quellen
§ 21 SGB II · § 24 SGB II · § 37 SGB II — Antragserfordernis · § 20 SGB II
Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Jede Entscheidung ergeht nach Prüfung des Einzelfalls, und die Beträge richten sich nach jährlich fortgeschriebenen Verordnungen — lesen Sie Ihren Bescheid und ziehen Sie eine Sozialberatungsstelle oder eine im Sozialrecht spezialisierte Kanzlei hinzu.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Mehrbedarf bei Schwangerschaft?
17 % des maßgebenden Regelbedarfs, ab der 13. Schwangerschaftswoche bis zum Ende des Entbindungsmonats.
Wie hoch ist der Mehrbedarf für Alleinerziehende?
Bei alleiniger Pflege und Erziehung minderjähriger Kinder gelten 36 % mit einem Kind unter sieben oder zwei oder drei Kindern unter sechzehn; 12 % je minderjährigem Kind werden angesetzt, wenn dies höher ist, höchstens 60 %.
Ich habe vier Kinder — habe ich Anspruch?
Bei vier minderjährigen Kindern im Haushalt und alleiniger Pflege und Erziehung ergeben 12 % je Kind 48 %. Ein Kind unter sieben kann zugleich die 36 %-Voraussetzung erfüllen; 48 % sind jedoch höher und anzuerkennen.
Wird die Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt übernommen?
Ja, § 24 Abs. 3 nimmt sie vom Regelbedarf aus; die Leistung wird gesondert erbracht — als Sach- oder Geldleistung, auch pauschal.
Handelt es sich um ein Darlehen?
Nein. Die Darlehensregel des § 24 Abs. 1 betrifft Bedarfe, die der Regelbedarf umfasst; die Erstausstattung gehört nicht dazu.
Ich beziehe keine Leistungen — geht das trotzdem?
Ja; die Leistung wird auch erbracht, wenn kein Leistungsbezug besteht, der Bedarf aber nicht aus eigenen Kräften und Mitteln gedeckt werden kann.
Erfasst die Obergrenze alle Mehrbedarfe?
Nein, nur die Absätze 2 bis 5.
