Einbürgerung nach § 10 StAG: Fünfjahresfrist und sieben Voraussetzungen

Lerngruppe neben Symbolen für Kommunikation und Integration — Illustration

Gezielte Berichtigungen am 11. Oktober 2026 zu den hier dargestellten Einbürgerungs- oder Familiennachzugsvoraussetzungen; Quellen stehen unten. Keine Vollprüfung aller anerkannten Nachweise, örtlichen Verfahren oder Einzelfälle.

Erstellt nach unseren redaktionellen Grundsätzen.

Zuletzt anhand der amtlichen Quelle geprüft: 29. August 2026

Die Anspruchseinbürgerung nach § 10 StAG setzt grundsätzlich fünf Jahre rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalt, geklärte Identität und Staatsangehörigkeit sowie die gesetzlichen Voraussetzungen voraus. Diese sind zusammen mit ihren gesetzlichen Ausnahmen zu prüfen; das Fehlen einer Regelvoraussetzung führt nicht in jedem Fall zur Ablehnung.

Die Voraussetzungen im Überblick

Rechtsgrundlage
§ 10 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG).
Aufenthaltsdauer
Fünf Jahre rechtmäßiger gewöhnlicher Aufenthalt im Inland.
Sprache
Deutschkenntnisse auf Niveau B1 nach § 10 Absatz 4, vorbehaltlich der altersgerechten Regelung, Erleichterungen und Ausnahmen.
Lebensunterhalt
Lebensunterhalt für sich und unterhaltsberechtigte Angehörige ohne Leistungen nach SGB II oder SGB XII, vorbehaltlich der gesetzlichen Ausnahmen. Dies ist kein Verbot sämtlicher Sozialleistungen.
Strafregister
Verurteilungen und Maßregeln werden unter Berücksichtigung des § 12a StAG beurteilt. Nicht jede Verurteilung verhindert die Einbürgerung; für die dort genannten Grenzen gelten Bedingungen und Ausnahmen.
Zuständige Stelle
Die Einbürgerungsbehörde Ihrer Stadt oder Ihres Kreises.

Die sieben Voraussetzungen, wie das Gesetz sie aufzählt

  1. Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen GrundordnungEin Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und keine Unterstützung verfassungsfeindlicher Bestrebungen.
  2. Bekenntnis zur historischen VerantwortungAnerkennung der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft und Bekenntnis zum friedlichen Zusammenleben. Das steht ausdrücklich im Gesetzestext.
  3. Ein geeigneter AufenthaltsstatusEin unbefristetes Aufenthaltsrecht, der im Gesetz genannte Status nach dem Freizügigkeitsabkommen mit der Schweiz, eine Blaue Karte EU oder eine Aufenthaltserlaubnis für einen nicht nach § 10 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 ausgeschlossenen Zweck. Auch ein geeigneter befristeter Titel kann genügen.
  4. Gesicherter LebensunterhaltLebensunterhalt ohne Leistungen nach SGB II oder SGB XII, mit den Ausnahmen nach § 10 Absatz 1 Nummer 3 und gegebenenfalls der Übergangsregelung des § 40a.
  5. Strafrechtliche VoraussetzungVerurteilungen und Maßregeln werden unter Berücksichtigung des § 12a StAG beurteilt. Nicht jede Verurteilung verhindert die Einbürgerung; für die dort genannten Grenzen gelten Bedingungen und Ausnahmen.
  6. SprachkenntnisseDeutschkenntnisse, die die Anforderungen einer B1-Sprachprüfung nach § 10 Absatz 4 erfüllen, mit den gesetzlichen Erleichterungen und Ausnahmen.
  7. Staatsbürgerliche KenntnisseKenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung und der Lebensverhältnisse in Deutschland.

Ausnahmen von der Sprachvoraussetzung

Nach § 10 Absatz 6 ist von Sprache und staatsbürgerlichen Kenntnissen abzusehen, wenn Krankheit, Behinderung oder Alter die Erfüllung verhindern; Alter oder Behinderung allein bewirken keine automatische Ausnahme. Für die gesetzlich bestimmten historischen Gast- und Vertragsarbeitnehmergruppen sowie zeitlich zusammenhängend nachgezogene Ehegatten gilt nach § 10 Absatz 4 Satz 3 stattdessen ein reduzierter mündlicher Sprachstandard. Absatz 4a ermöglicht eine Härtefallerleichterung zur mündlichen Alltagsverständigung, wenn B1 trotz ernsthafter und nachhaltiger Bemühungen unmöglich oder dauerhaft wesentlich erschwert ist. Bei den Fällen des Absatzes 4 Satz 3 und des Absatzes 4a entfällt die Voraussetzung staatsbürgerlicher Kenntnisse. Klären Sie die anwendbare Regel und erforderlichen Nachweise mit der Behörde.

Was wir nicht geprüft haben — und daher nicht behaupten: Im Umlauf sind verschiedene Fristen für die Einbürgerung (drei, sechs, acht Jahre). Der von uns geprüfte Text des § 10 nennt fünf Jahre und enthielt keine Regelung zur Verkürzung dieser Frist wegen Integrationsleistungen. Das Staatsangehörigkeitsgesetz enthält allerdings weitere Vorschriften für Sonderfälle — etwa die Einbürgerung von Ehegatten und Kindern deutscher Staatsangehöriger — mit abweichenden Voraussetzungen und Fristen. Setzen Sie nicht voraus, dass Ihr Fall unter § 10 fällt, sondern fragen Sie die Einbürgerungsbehörde nach der einschlägigen Vorschrift.

Amtliche Quelle

§ 10 StAG — Volltext

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Das Staatsangehörigkeitsrecht wurde mehrfach geändert, und Einbürgerungsentscheidungen werden im Einzelfall geprüft. Lassen Sie sich vor einem Antrag oder einer Entscheidung über Ihre bisherige Staatsangehörigkeit fachanwaltlich beraten.

Häufige Fragen

Wie viele Jahre Aufenthalt sind für die Einbürgerung nötig?

Fünf Jahre rechtmäßiger gewöhnlicher Aufenthalt im Inland nach § 10 StAG. Für Sonderfälle — etwa Ehegatten und Kinder deutscher Staatsangehöriger — enthält das Gesetz weitere Vorschriften mit abweichenden Voraussetzungen und Fristen.

Welches Sprachniveau wird verlangt?

Grundsätzlich B1 nach § 10 Absatz 4 StAG, mit den gesetzlichen Ausnahmen. Auch das in § 9 AufenthG verwendete Merkmal „ausreichende Deutschkenntnisse“ ist gesetzlich definiert: § 2 Absatz 11 AufenthG ordnet ihm B1 zu. Die Wege und weiteren Voraussetzungen unterscheiden sich, nicht das Vorhandensein einer gesetzlichen Sprachdefinition.

Welche sieben Voraussetzungen sind das?

Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung; historische Verantwortung Deutschlands; geeigneter Aufenthaltsstatus; Lebensunterhalt ohne SGB-II- oder SGB-XII-Leistungen; strafrechtliche Voraussetzung; grundsätzlich B1; staatsbürgerliche Kenntnisse. Gesetzliche Ausnahmen sind mitzuberücksichtigen; außerdem sind Identität, Staatsangehörigkeit und weitere Voraussetzungen zu prüfen.

Kann von der Sprachvoraussetzung abgesehen werden?

Ja, bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen. Für § 10 Absatz 6 müssen Krankheit, Behinderung oder Alter die Erfüllung verhindern. Die bestimmten historischen Arbeitnehmergruppen erhalten einen reduzierten mündlichen Sprachstandard; Absatz 4a ermöglicht eine Härtefallerleichterung bei nachgewiesenen ernsthaften und nachhaltigen Bemühungen. Dies sind unterschiedliche Regeln, keine pauschale Ausnahme für alle älteren oder behinderten Menschen.

Stimmt es, dass die Einbürgerung nach drei Jahren möglich ist?

Der geprüfte Text des § 10 nennt fünf Jahre und enthielt keine Verkürzung wegen Integrationsleistungen. Andere kursierende Zahlen betreffen andere Vorschriften oder frühere Gesetzesfassungen. Fragen Sie die Einbürgerungsbehörde nach der auf Sie anwendbaren Vorschrift.

Schließt der Bezug von Sozialleistungen die Einbürgerung aus?

Die Regel betrifft Leistungen nach SGB II oder SGB XII, nicht sämtliche Sozialleistungen. § 10 Absatz 1 Nummer 3 nennt bestimmte Arbeitnehmer- und Familienausnahmen. Bei bis zum 23. August 2023 gestellten Anträgen erhält § 40a die vor dem 27. Juni 2024 geltende Unterhaltsregel, soweit sie günstiger ist. Die Behörde prüft, welche Regel im Einzelfall gilt.

Quellen dieser gezielten Korrekturen: § 12a StAG · § 2 AufenthG · § 40a StAG