Ehegattennachzug: die Voraussetzungen des § 30 AufenthG

Familie mit Gepäck und Symbolen für Reiseunterlagen — Illustration

Gezielte Berichtigungen am 11. Oktober 2026 zu den hier dargestellten Einbürgerungs- oder Familiennachzugsvoraussetzungen; Quellen stehen unten. Keine Vollprüfung aller anerkannten Nachweise, örtlichen Verfahren oder Einzelfälle.

Erstellt nach unseren redaktionellen Grundsätzen.

Zuletzt anhand der amtlichen Quelle geprüft: 29. August 2026

Den Ehegattennachzug regelt § 30 AufenthG. Grundsätzlich müssen beide Ehegatten achtzehn sein, einfache Deutschkenntnisse vorliegen und der hier lebende Ehegatte einen geeigneten Titel besitzen. § 2 Absatz 9 definiert einfache Deutschkenntnisse gesetzlich als A1. Das Gesetz enthält Alters- und Sprachausnahmen; allgemeine Voraussetzungen und ihre Ausnahmen sind zusätzlich zu prüfen.

Die Voraussetzungen im Überblick

Rechtsgrundlage
§ 30 Aufenthaltsgesetz (AufenthG).
Alter
Grundsätzlich achtzehn bei beiden Ehegatten. § 30 Absatz 1 Nummer 3 Buchstabe f enthält eine Altersausnahme; Absatz 2 ermöglicht eine Ausnahme wegen besonderer Härte.
Sprache
Grundsätzlich einfache Deutschkenntnisse, gesetzlich als A1 definiert in § 2 Absatz 9, vorbehaltlich der gesetzlichen Ausnahmen.
Zuständigkeit
Die deutsche Auslandsvertretung im Aufenthaltsstaat für das Visum, danach die Ausländerbehörde in Deutschland.
Hinweis
Allgemeine Voraussetzungen wie Wohnraum und Lebensunterhalt sind mit ihren Ausnahmen, unter anderem nach § 29, zu prüfen. Sie gelten nicht unverändert für jeden Fall.

Welchen Titel der hier lebende Ehegatte besitzen muss

Nachfolgend stehen Fälle aus § 30 Absatz 1 Nummer 3. Die Kurzliste ersetzt nicht die Bedingungen des jeweiligen Buchstabens; auch die Fälle e und f sind unten berücksichtigt.

  • Niederlassungserlaubnis.
  • Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU.
  • Aufenthaltserlaubnisse nach §§ 18d oder 18f oder § 25 Absatz 1 oder Absatz 2 Satz 1. Dieser Buchstabe umfasst nicht jeden Titel nach § 25.
  • Eine seit zwei Jahren bestehende Aufenthaltserlaubnis unter den Bedingungen des Buchstabens d zur Nebenbestimmung nach § 8 Absatz 2 oder zum gesetzlichen Ausschluss einer späteren Niederlassungserlaubnis. § 25 Absatz 2 Satz 2 ist hiervon ausgeschlossen.
  • Blaue Karte EU, ICT-Karte oder Mobiler-ICT-Karte. Buchstabe e nennt weitere Titel bei bereits bei Erteilung bestehender Ehe und voraussichtlich über einjährigem Aufenthalt; § 25 Absatz 2 Satz 2 ist ausgeschlossen. Buchstabe f betrifft § 38a, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft bereits im EU-Staat bestand, in dem der hier lebende Ausländer langfristig aufenthaltsberechtigt war.

Die Sprachvoraussetzung: was im Gesetz wirklich steht

Die Verständigung auf einfache Art ist durch § 2 Absatz 9 AufenthG gesetzlich als A1 definiert, nicht lediglich eine Verwaltungsauslegung. Nachweise und anerkannte Zertifikate richten sich nach dem Fall und den Anforderungen der zuständigen Auslandsvertretung. Ein Zertifikat ist nicht in jedem Ausnahmefall erforderlich.

Ausnahmen von der Sprachvoraussetzung

  1. Krankheit oder BehinderungWenn der Nachweis der Sprachkenntnisse wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung nicht möglich ist.
  2. Erkennbar geringer IntegrationsbedarfWenn beim Ehegatten ein erkennbar geringer Integrationsbedarf besteht.
  3. Staatsangehörigkeit des hier lebenden Ehegatten§ 30 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 betrifft den in Deutschland lebenden Ausländer, der aufgrund seiner Staatsangehörigkeit auch für nicht kurzfristige Aufenthalte visumfrei einreisen und sich hier aufhalten darf. Die visumfreie Staatsangehörigkeit allein des nachziehenden Ehegatten ist nicht die dort genannte Voraussetzung.
  4. Bestimmte Fachkräfte- und ForschungstitelIn den Fällen der Forschenden-Titel und bestimmter Titel für spezialisiertes Personal.
  5. Besondere UmständeWenn besondere Umstände die Bemühungen um den Spracherwerb unmöglich oder unzumutbar machen.

Diese Seite erläutert § 30. Andere Familiennachzugswege haben eigene Regeln. Allgemeine Erteilungsvoraussetzungen sind mit ihren Ausnahmen zu prüfen; Wohnraum und Lebensunterhalt sind keine ausnahmslosen Voraussetzungen für sämtliche Fälle. Maßgeblich sind der konkrete Weg und die vollständigen gesetzlichen Bedingungen.

Amtliche Quelle

§ 30 AufenthG — Volltext

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Orientierung und ist keine Rechtsberatung. Das Aufenthaltsrecht wird häufig geändert, und Nachzugsentscheidungen werden im Einzelfall geprüft. Ziehen Sie vor Entscheidungen dieser Tragweite eine im Ausländerrecht spezialisierte Anwältin oder einen spezialisierten Anwalt hinzu.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Ehegattennachzug?

§ 30 nennt keine Entscheidungsfrist. Die tatsächliche Dauer bestimmt die deutsche Auslandsvertretung im jeweiligen Land und hängt von Antragszahlen und Terminverfügbarkeit ab. Fragen Sie die zuständige Vertretung nach ihrer veröffentlichten Bearbeitungsdauer.

Ist der Nachzug unter achtzehn Jahren möglich?

Grundsätzlich müssen beide Ehegatten achtzehn sein. Es gibt jedoch Ausnahmen: Bei § 30 Absatz 1 Nummer 3 Buchstabe f sind Alter und Sprache unbeachtlich; erforderlich sind § 38a und die bereits im betreffenden EU-Staat bestehende eheliche Lebensgemeinschaft. Absatz 2 erlaubt außerdem eine Abweichung vom Alter zur Vermeidung besonderer Härte. Die übrigen Voraussetzungen bleiben zu prüfen.

Welchen Aufenthaltstitel muss der hier lebende Ehegatte haben?

Entscheidend ist der genaue Fall in § 30 Absatz 1 Nummer 3. Beispiele sind Niederlassungserlaubnis und Daueraufenthalt-EU, Blaue Karte und ICT-Titel sowie §§ 18d, 18f und § 25 Absatz 1 oder Absatz 2 Satz 1. Die Buchstaben d, e und f enthalten weitere Fälle mit eigenen Bedingungen. Ein beliebiger §-25-Titel oder bloß zwei Jahre Aufenthalt reichen nicht.

Entspricht die Sprachvoraussetzung dem Niveau A1?

Ja, grundsätzlich A1. § 30 verlangt einfache Verständigung; § 2 Absatz 9 definiert dieses Niveau gesetzlich als A1. Prüfen Sie die Ausnahmen und Nachweisanforderungen der zuständigen Auslandsvertretung. A1 ist nicht lediglich ein Verwaltungsäquivalent.

Gibt es Ausnahmen von der Sprachvoraussetzung?

Ja, in den gesetzlich bestimmten Fällen. Beispiele sind Unfähigkeit wegen Krankheit oder Behinderung, geringer Integrationsbedarf oder fehlender Kursanspruch unter den genannten Bedingungen, bestimmte Fachkräftetitel und besondere Umstände vor der Einreise. Die Staatsangehörigkeitsausnahme betrifft den hier lebenden Ausländer. Buchstabe f lässt Alter und Sprache gemeinsam außer Betracht. Maßgeblich sind die vollständigen Bedingungen jeder Ausnahme.

Ist der Familiennachzug in Deutschland ausgesetzt?

Der für den Ehegattennachzug maßgebliche § 30 galt in der von uns geprüften Fassung zum oben genannten Datum. Meldungen über eine Aussetzung betreffen andere Wege mit eigenen Vorschriften. Klären Sie mit der Auslandsvertretung oder anwaltlich, welche Vorschrift auf Ihren Fall anzuwenden ist.

Quellen dieser gezielten Korrekturen: § 2 AufenthG · § 29 AufenthG